Neue Werke von Iris Schieferstein für Berlin Fashion Week

Montag, 17 Dezember 2012

Taubenhüte, Schlangenrevolver, Eichhörnchenschuhe und Hufschuhe – die Künstlerin Iris Schieferstein kreiert Skulpturen, die in den Bereich der Mode gehen. Allerdings arbeitet die gelernte Bildhauerin nicht mit unkenntlich gemachten Tierprodukten wie Häuten oder Fellen, sondern verwendet ganze Tiere oder prägnante Teile von ihnen als “Hommage ans Leben”.

ImRahmen der Berliner Modewoche vom 15. bis 20. Januar wird Iris Schieferstein neue Werke unter anderem in der Galerie Epicentro (ab 1. Januar tatsächlich im Epizentrum Berlin-Mitte im Gipspark an der Joachimstr. 5) zusammen mit dem Kollegen HP Adamski in der Ausstellung “Tote Mode” (Arbeitstitel) zeigen. In einem anregenden Gespräch erzählte die Künstlerin Fashion United mehr über ihren Auftritt bei der Berlin Fashion Week und ihre Arbeit.

Fashion United: Iris, Du wirst im Rahmen der Fashion Week Berlin ausstellen – worauf dürfen wir gespannt sein?
Iris Schieferstein:
Was ich auf jeden Fall machen möchte, ist ein neues Paar Schuhe. Vielleicht mehr, aber die Arbeitsprozesse dauern lange.Ebenso wird die Art der Darbietung anders sein als gewohnt.

Du hast bis jetzt Hufschuhe gemacht und Taubenschuhe. Schuhe scheinen immer wieder aufzutauchen. Hast Du eine Faszination für Schuhe?
Schuhe sind ein tolles Accessoire. Zudem bin ich zum einen Frau und Schuhfetischistin, zum anderen wird immer gesagt ‘guck’ den Leuten auf die Schuhe, und du weißt, wer sie sind.’ Aber außer Schuhen liebe ich auch Hüte und Schirme.

Können wir in Zukunft mehr Mode von Iris Schieferstein erwarten?
Ich sehe mich da eher als Grenzgängerin, schließlich bin ich Bildhauerin mit Leib und Seele. Aber es ist schon faszinierend, Kunst am Menschen zu machen. Sozusagen eine zweite Haut, die tragbar ist. So sehe ich das eher, statt reine Mode zu machen. Das ist nicht mein Genre. Natürlich schaue ich mich dort gerne um, schließlich sucht die Mode auch immer wieder Anregungen in der Kunst. Ausserdem gibt es oft einen Querverweis an die Werbung.

Die Modewelt hat sich auf jeden Fall von Iris Schieferstein inspirieren lassen – Prada kopierte ihre Revolver-Absätze im letzten Frühjahr und Alexander McQueen präsentierte vor seinem Tod noch ähnliche Schuhe in Anlehnung an die berühmten Hufschuhe.

Haben die Modekreationen Deinem Bekanntheitsgrad in Deutschland geholfen?
Ja, das kommt erst jetzt. Ich habe für meine Arbeit immer mehr Presse im Ausland bekommen als in Deutschland. Die Briten waren zum Beispiel von meiner Kunst gleich begeistert. Auch als ich vor ein paar Jahren für vier Wochen in New York war, habe ich gleich eine Galerie gefunden. Das kommt ungefähr einem Sechser im Lotto gleich.

Auch Lady Gaga, die ihren ganz eigenen Einfluss auf die Modewelt hat (vgl. den Fashion United- Artikel vom 1. Oktober “Lady Gaga macht holländische Designer bekannt” (auf Holländisch)), war von den Hufschuhen gleich begeistert. Sie hat bis jetzt nicht nur einmal versucht, ein Paar Hufschuhe von Iris Schieferschein zu bestellen, sondern gar zweimal. Getragen hat sie sie – trotz gegenteiliger Gerüchte – allerdings nie.

Beim ersten Mal wollte sie die Hufschuhe unbedingt in einem Video anziehen, nachdem sie die Schuhe 2006 oder 2007 bei einer Kunstausstellung in New York gesehen hatte. Sie wurden verschickt, waren jedoch zu klein. Dann bekam Lady Gaga 2010 für die Musik Awards passend zu ihrem Fleischkleid die richtige Größe geschickt, diesmal blieb das Paar jedoch im Zoll stecken. Vielleicht wird es beim dritten Mal klappen?

Iris Schieferstein verwendet übrigens für all ihre Arbeiten bereits tote Tiere – auf natürliche Art gestorbene Haus- oder Zootiere oder eben Abfälle wie Hufe vom Schlachter um die Ecke. Statt sie anonym sterben zu lassen, gibt sie den Tieren nach dem Tod die dringend benötigte Stimme – gegen die Konsumgesellschaft, die nichts gegen Tierprodukte wie Lederschuhe, Fischstäbchen und grinsende Bierschinkenwurst hat (für Iris Schieferstein der Gipfel des Zynismus), sich aber schon mal über ihre Skulpturen aufregt.

Millionenfach eingepfercht und gequält werden die Tiere aber im Zuge der modernen Konsumgesellschaft und nicht durch die Kunst – diese ist nur ein Spiegel der Gesellschaft, den diese sich in diesem Zusammenhang oft nicht gern vorhält.

Egal, ob man Iris Schiefersteins Kreationen mag oder nicht, sie regen zum Nachdenken an. Und das ist von der Künstlerin durchaus beabsichtigt. “Ich bin ein großer Verfechter von Künstlern, die auf subtile Art zum Nachdenken anregen. Die den Betrachter mit einbeziehen und ihn zwingen, über Kausalzusammenhänge nachzudenken, die Fragen aufwerfen,” sagt die Künstlerin. “Die richtigen Fragen zu stellen ist eigentlich die Kunst. Auch sollte Kunst einen mit auf eine Reise nehmen und eine Geschichte erzählen. Die Vielschichtigkeit ist eigentlich das Spannende daran.”

Simone Preuss

Foto: Iris Schieferstein