Mode aus Milchfasern von Qmilch

Mittwoch, 11 Juli 2012

Das Hannoveraner Unternehmen Qmilch produziert Mode aus Milch – Wollfasern aus dem Milcheiweiß Kasein genauer gesagt. Mikrobiologin, Modedesignerin und Firmengründerin Anke Domaske hat ein spezielles Verfahren entwickelt, in dem ohne chemische Zusätze Milchfasern hergestellt werden. Diese sind schadstofffrei, fühlen sich an wie Seide und bieten gerade sensibler Haut hohen Tragekomfort. Zudem ist die Herstellung preiswerter als die von Acrylfasern.

Qmilch nutzt technisches Kasein, ein Abfallprodukt der Milchindustrie, gewonnen aus der Milch, die nicht der Milchverordnung entspricht und daher für die menschliche Ernährung ungeeignet ist. Laut Qmilch fallen jährlich etwa 1,9 Millionen Tonnen von technischem Kasein an, das bis jetzt in Agrarbetrieben entsorgt wurde.

Milchfasern könnten dies ändern, denn sie sind die weltweit ersten künstlich hergestellten Fasern, die ohne jegliche Chemikalien und unter gezieltem Einsatz von Energien und Ressourcen hergestellt werden. Das ist besonders für Allergiker von Vorteil. Im neuesten Interview mit Fibre2fashion erklärte Domaske: “Die ausgezeichneten Feuchtigkeitseigenschaften von Qmilch verhindern das Wachstum von Bakterien auf natürliche Art. … Feuchtigkeit wird leicht aufgenommen und die Haut fühlt sich angenehm frisch an. Hautreizungen können durch die glatte Oberfläche reduziert werden.”

Der Herstellungsprozess dauert nur rund eine Stunde und es fallen keine weiteren Rohstoffe oder Abfälle an. Der Wasserverbrauch wurde auf unter zwei Liter minimiert und als Energiequelle verwendet Qmilch Ökostrom.

Anfang März wurde Qmilch-Gründerin Domaske als eine der fünf Sieger und Siegerinnen der Gründerinitiative enable2start ausgezeichnet. Ulrike Wollenschläger, Redakteurin der Fachzeitschrift “Textilwirtschaft” äußerte sich zu Domaskes Initiative: “Die deutsche Textil- und Bekleidungsindustrie lebt von Innovationen und benötigt diese auch dringend, um sich dauerhaft gegen die massive Konkurrenz aus Asien behaupten zu können. Im Zuge immer knapper werdender Rohstoffe ist es darüber hinaus zwingend erforderlich, praktikable Alternativen zu finden. Der Bedarf an solchen Alternativen, und dazu zähle ich auch Milchfasern, wird definitiv wachsen.”

Wichtig wird für das innovative Unternehmen aus Hannover jetzt, genügend Investoren und Abnehmer zu finden, um in die industrielle Produktion einsteigen zu können. Der Anwendung sind wenig Grenzen gesetzt und das Unternehmen setzt besonders auf Bekleidung, Heimtextilien, die Automobilbranche und die Medizintechnik. Gunda Opitz, Leiterin des Entrepreneurial Network UnternehmerTUM bestätigt: “Bei der neuartig hergestellten Qmilch-Faser überzeugt mich besonders das große Anwendungspotenzial, das in der Spezialfaser steckt.”

Ob das junge Unternehmen aus Hannover es tatsächlic schafft, am Standort Deutschland ein wettbewerbsfähiges Textilunternehmen aufzubauen, bleibt abzuwarten. Ziel von Qmilch ist jedenfalls, rund zwei Millionen Euro zu finanzieren, um bis Anfang 2013 eine eigene Produktion aufbauen zu können.

Foto: Qmilch