Bangladesch: Proteste enden mit Versprechungen

Montag, 30 September 2013

Nach einer Woche der Proteste von Bekleidungsarbeitern in Bangladesch mit teils gewalttätigen Ausschreitungen nahmen am Sonntag alle Bekleidungsfabriken wieder den Betrieb auf und die Arbeiter kehrten an ihre Arbeitsplätze zurück. Es kam zum Ende der stärksten Proteste in der Industriegeschichte des Landes nachdem die Fabrikbesitzer versprachen, die Löhne der mehr als drei Millionen Bekleidungsarbeiter Bangladeschs zu erhöhen.

Auch wenn noch nicht klar ist, um wieviel Prozent der Mindestlohn steigen wird, so wird dies jedoch bald geschehen; die Regierung peilt November an, einen Monat eher als in einer früheren Frist festgelegt. Die Industriegewerkschaften forderten eine Erhöhung um mehr als das Doppelte des derzeitigen Mindestlohns von 38 US-Dollar (28 Euro) – dem niedrigsten der Welt – auf 100 US-Dollar (74 Euro). Ein Regierungsgremium soll nun einen Betrag festlegen und die Fabrikbesitzer haben versprochen, ihn zu akzeptieren und durchzusetzen.

"Wir haben den Gewerkschaften erklärt, dass wir die Löhne aller Arbeiter anheben werden, sobald der neue Mindestlohn vom Regierungsgremium bekannt gegeben wurde. Wir sind auch bereit, die Gehälter um so viel zu erhöhen, wie vom Gremium bestimmt wird. Wir werden dies akzeptieren, auch wenn es mehr als 20 Prozent ist. Aber natürlich hoffen wir, dass die erhöhten Löhne einen Gewinn für die Branche und die Arbeiter bedeuten werden”, sagte Atiqul Islam, Leiter des Verbands der Bekleidungshersteller und -exporteure Bangladeschs (BGMEA) gegenüber AFP.

Die Bekleidungsindustrie befürchtet, dass Bangladesch seinen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen bekleidungsherstellenden Ländern der Region wie China, Indien, Sri Lanka und Vietnam verlieren werde, wenn sich die Gehälter um mehr als 20 Prozent erhöhen. Dem ist aber das Beispiel China entgegenzuhalten, wo sich die Löhne von Bekleidungsarbeitern in den letzten Jahren drastisch erhöht haben, teils um 50 Prozent. China ist derweil immer noch die Nummer Eins unter den Bekleidungsexporteure.

Zudem ist ein Mindestlohn von 38 US-Dollar pro Monat in Bangladesch nicht mehr tragbar, da die Arbeiter einfach nicht in der Lage sind, sich selbst, geschweige denn ihre Familien von diesem Hungerlohn zu ernähren beziehungsweise gesund genug zu bleiben, um überhaupt ihre langen Schichten durchzuhalten.

Die Ankündigung erfolgte nach langen Verhandlungen am Samstagabend zwischen Fabrikbesitzern, Regierungsvertretern und mehr als 40 Gewerschaftsführern, die Arbeiter in rund 4.500 Bekleidungsfabriken in Bangladesch vertreten.

"Wir hoffen, dass es keine weiteren Unruhen gibt, bis das Gremium die Lohnerhöhung bekannt gegeben hat. Und wir hoffen auch, dass die Hersteller ihr Wort halten werden”, kommentierte Baharine Sultan, Präsident der Arbeitervertretung Jago Bangladesh Garment Sramik Federation.

Rund 500 Bekleidungsfabriken in Bangladeschs Hauptproduktionszentren waren für fast eine Woche geschlossen gewesen. Laut Schätzungen soll dies die Besitzer rund 40 Millionen US-Dollar gekostet haben – Geld, das ohne Zweifel besser in Löhne und Sicherheitsmaßnahmen für die Arbeiter investiert hätte werden können.