H&M boykottiert südindische Spinnerei

Donnerstag, 30 Oktober 2014

Der schwedische Bekleidungskonzern Hennes & Mauritz (H&M) hat sich entschieden, kein Garn mehr von der südindischen Spinnerei Super Spinning zu beziehen, nachdem ein zu Beginn der Woche veröffentlichter Bericht die entsetzlichen Arbeits- und Lebensbedingungen junger Frauen und Mädchen aufdeckte, die dort arbeiten (s. Artikel "Neuer Bericht prangert entsetzliche Bedingungen in Spinnereien an" vom 29. Okt.)

Laut einer von H&M veröffentlichten Erklärung erklärte der Fast Fashion-Riese, er werde auch Zulieferer daran hindern, von Super Spinning Mills aus Tamil Nadu hergestellte Produkte zu benutzen. Ein Lieferant aus Bangladesch zum Beispiel gab zu, Garn der Spinnerei benutzt zu haben. Obwohl H&M keine direkten Geschäftsbeziehungen mit Super Spinning hat, entschied sich das Unternehmen, kein Garn mehr von Super zu beziehen, da die Spinnerei nicht bereit war, mit H&M zu kooperieren.

Auch wenn die schnelle Reaktion und konsequente Handlung von H&M zu begrüßen ist, bleibt doch die Frage, ob eine Einstellung der (direkten oder indirekten) Geschäftsbeziehungen mit den betroffenen Spinnereien eine langfristige Lösung ist, da a) Super sicher keine Ausnahme ist und die dort geschilderten Arbeitsbedingungen durchaus üblich sind, und b) es den jungen Frauen durch ihren noch so schlecht bezahlten und harten Job doch möglich ist, ihre Familien finanziell zu unterstützen und selbst einer Tätigkeit nachzugehen. Ein wie von Primark verfolgter Ansatz ist daher zu bevorzugen, da er die Zustände vor Ort und mit Hilfe von NROen zu verbessern sucht.

Der gemeinsam von SOMO und ICN veröffentlichte Bericht "Flawed Fabrics - The abuse of girls and women workers in the South Indian textile industry" nimmt die Arbeitsbedingungen von vier weiteren Spinnereien in Tamil Nadu gründlich unter die Lupe, nämlich von Best Cotton Mills, Jeyavishnu Spintex, Premier Mills und Sulochana Cotton Spinning Mills. Er fand, dass junge Frauen und Mädchen unter erschreckenden Bedingungen arbeiten, die der modernen Sklaverei und den schlimmsten Formen der Kinderarbeit gleichkommen. Der Fabrikdirektor von Super weist alle Beschuldigungen zurück.