Takko und Auftragnehmer beziehen Stellung

Dienstag, 06 November 2012

Wie gestern berichtet, kam der deutsche Textildiscounter Takko ins Kreuzfeuer, nachdem aufgrund einer Spiegel-Recherche bekannt wurde, dass er Tausende von Kleidungsstücken in chinesischen Gefängnissen fertigen ließ. Takko und sein Auftragnehmer Dr. Rehfeld Fashion AG nahmen jetzt Stellung.

In einer Pressemitteilung auf seiner Website gibt sich Takko über den vorliegenden Fall “tief betroffen”, schiebt die Verantwortung jedoch auf seinen Vertragspartner (und dieser wiederum auf seinen Partner vor Ort). “Das Verhalten unseres Vertragspartners ist für uns nicht nachvollziehbar und inakzeptabel. Uns war weder zum Zeitpunkt der Orderplatzierung noch später bekannt, dass Artikel in Gefängnissen produziert wurden. Diese Informationen haben wir erst durch die Anfrage des Spiegels vom vergangenen Mittwoch, 31.10.2012, erhalten,“ heißt es in der Stellungnahme von Takko.

Die 1976 gegründete Hamburger Holding Dr. Rehfeld Fashion AG hat sich außer der Produktion für die eigene Marke Broadway NYC Fashion auch auf die Vermittlung von Produktionsstätten in Asien für deutsche Textilhersteller spezialisiert. Nach jahrzehntelanger Arbeit in der Textilbranche und in dieser Region müßte die Hamburger Firma ihre Vertragspartner in China eigentlich kennen. Im konkreten Fall schiebt das Unternehmen die Verantwortung aber auf den Lieferanten in China, ein über die Tochterfirmen Global Fashion Support GmbH (GFS) und Granville Hongkong Textiles Ltd beauftragter Betrieb.

Angeblich war das nicht näher definierte “Büro in Shanghai” mit der “Abwicklung der Produktion und der Überwachung der Einhaltung sämtlicher Qualitäts- und social Compliance–Standards” betraut. „Die Tatsache, dass dieser Lieferant ohne unser Wissen einen Subunternehmer mit der Produktion beauftragte, führte zu der nicht genehmigten Produktion“, erklärte Geschäftsführer Rainer Rehfeld.

Am 5. Dezember 2011 wurde der Dr. Rehfeld Fashion AG dann bekannt, dass es sich um Gefängnisarbeit handelte und die “Arbeitsverträge der verantwortlichen Personen [wurden] unverzüglich gekündigt”, das Shanghaier Büro Ende September 2012 geschlossen. Die Produktion war jedoch “nahezu abgeschlossen” und die Kleidungsstücke in Frage wurden nicht zurückgezogen, sondern an den Auftraggeber weitergeleitet.

Takko will von all dem nichts gewusst haben und beruft sich auf seine Mitgliedschaft in der Fair Wear Foundation als Beweis seiner Verpflichtung zum Code of Conduct.

Während Dr. Rehfeld auf Kontrolle vor Ort setzt (“Unsere Mitarbeiter in Fernost müssen die Auftragsabwicklung durch Lieferanten persönlich kontrollieren“), hat Takko eher die Selbstanalyse im Kopf. Konkret will das Unternehmen eine Überprüfung “interner Kontrollmechanismen, um sicherzustellen, dass sich ein solcher Fall künftig nicht wiederholt” und strebt im Jahr 2013 an, eine “weitestgehend komplette Transparenz über alle Produktionsorte zu erhalten”. Derzeit sind dem Unternehmen nur etwa 75-80 Prozent aller Produktionsstätten bekannt, was eine relativ große Chance bedeutet, dass sich ein solcher Fall wiederholen könnte.

Angesichts einer Produktionssituation in Schwellenländern, in der sich in letzter Zeit an etlichen Fällen wieder und wieder gezeigt hat, dass Vertrauen zwar gut, Kontrolle aber besser ist, ist die folgende Aussage von Takko auch mehr als etwas bedenklich: “Mit dem vorliegenden Fall wird jedoch leider deutlich, dass wir jetzt und auch in Zukunft auf die Ehrlichkeit unserer Vertragspartner angewiesen sind,” heißt es gegen Ende der Pressemitteilung. So werden sich die Auftraggeber auch weiterhin nicht in die Karten schauen lassen und den Schwarzen Peter wie bisher den Zulieferbetrieben zuschieben.

Foto: Takko