Taiwan: Kaffeekleidung ist der Hit

Donnerstag, 22 November 2012

Kleidung, die Schweiß aufsaugt, Nässe abwehrt und atmungsaktiv bleibt, ist nichts Neues. Trotz Hightech bleibt aber oft das Problem mit dem Geruch – gerade Outdoorkleidung riecht schnell muffig oder verschwitzt. Der taiwanesische Textilhersteller Singtex wirkt dem entgegen und mischt seinen Polyesterfasern einen ungewöhnlichen, aber natürlichen Zusatz zu: Kaffeesatz.

Profi- und Freizeitsportler sind bereits große Fans von Singtexs S.Café-Produkten, denn sie haben einen großen Vorteil: Sie absorbieren Gerüche. Zudem sind sie umweltfreundlich, denn bis zu 500 Kilogramm Kaffeesatz sammelt die Firma täglich von Taipeis Vielzahl von Cafés, Kiosken und Supermärkten ein. Diese werden so wiederverwertet, statt auf dem Müll zu landen.

Seit 2006 mischt Singtex die in mikroskopisch kleine Teilchen zerteilten Kaffeereste seinen Polyesterfasern zu. Diese stammen übrigens aus recycelten Plastikflaschen. Die findige Idee hat Singtex möglicherweise vor einer Pleite bewahrt, denn vor S.Café hatte das Textilunternehmen Mühe, sich angesichts einer Fülle asiatischer Billigproduzenten über Wasser zu halten.

„Jedes Mal, wenn wir eine neue Textilart produzierten,haben uns Hersteller in Südostasien kopiert und billiger produziert“, erinnert sich Singtex-Chef Jason Chen. Auch jetzt zwingt dieser Wettbewerb das Unternehmen, innovativ zu sein und ständig neue Produkte zu entwickeln und schnell patentieren zu lassen.

Im Fall von S.Café ging die Rechnung auf – internationale Bekleidungsfirmen wie The North Face, Timberland und Hugo Boss haben Wind von der revolutionären Faser bekommen und Lieferverträge mit Singtex abgeschlossen. Seit Juni dieses Jahres sind auch den Trikots von FC Liverpool Singtexs Kaffeefasern beigefügt. Nach Kaffee riechen Fans und Spieler aber deshalb nicht, denn die Kaffeefaser hat keinen Eigengeruch. Eigentlich schade, denn wer würde nicht gerne nach Jamaica Blue Mountain, Hawaii Kona oder anderen exotischen Kaffeearten riechen?

Wie so oft spielte der Zufall eine Rolle bei der Erfindung der innovativen Faser: Chen und seine Frau saßen in einem Café und beobachteten eine ältere Dame, die um alten Kaffeesatz bat. Keine Seltenheit, denn viele Menschen lagern diesen im Kühlschrank, um unangenehme Gerüche loszuwerden.

"Du solltest Kaffee verwenden, um deinen Körpergeruch loszuwerden. Kannst du das nicht in deine Stoffe einbauen?" fragte Chens Frau und so sprang der Funke (beziehungsweise die Bohne) über. „Das war eine so großartige Idee, die einfach vom Himmel gefallen ist. Ich habe meine Fachleute sofort beauftragt, ein Patent zu entwickeln,“ sagt Chen.

Deutsche Verbraucher konnten sich auf der Outdoor-Messe vom 12. bis 15. Juli 2012 in Friedrichshafen selbst ein Bild von den Produkten machen, denn Singtex war einer der Aussteller. Laut der Internationalen Kaffeeorganisation (ICO) werden jedes Jahr Millionen Tonnen grüner Kaffeebohnen verbraucht; 2008 waren es 7,6 Millionen Tonnen. Einmal gemahlen und gefiltert, landet der Kaffeesatz auf der Müllhalde. Singtex wirkt dem entgegen und hat inzwischen eine treue Fangemeinde aus umweltbewussten Kunden und Profi- und Freizeitsportlern.

Foto: Singtex