Spirit of Fashion plant für’s Wochenende

Montag, 01 Februar 2010

Die Berliner Independent-Modemesse Spirit of Fashion konnte zu ihrer vergangenen Ausgabe, die zeitgleich zur Modewoche in der Friedrichshainer Großraumdiscothek Kosmos stattfand, nur noch 38 Aussteller und 978 Besucher anlocken. Zum Vergleich: Vor einem Jahr verbuchte die Schau noch rund 300 Besucher mehr, und dies war bereits ein Minusrekord.

  Nun wollen sich die Organisatoren etwas mehr von den Terminvorgaben der Fashion Week und der beiden Leitmessen Bread & Butter und Premium lösen und – ähnlich wie die Denim-Messe Jam oder die im Sommer neu nach Berlin kommende Streetwear-Schau Bright – eigenständiger werden. Schließlich habe sich eine Orientierung an den Öffnungszeiten der anderen fashion Week Messen „als nicht wirksam herausgestellt“, so die Veranstalter von der in Hamburg ansässigen Spirit of Fashion GbR.

Zwar sei eine Überschneidung auch in Zukunft erstrebenswert, gerade die Stammbesucher der vor allem auf Punk- und Gothic-Labels spezialisierten Musterschau wünschten sich wieder das Wochenende als Messetermin zurück. Dies ermögliche vor allem auch den kleinen Independent-Läden eine größere Flexibilität in der Zeitplanung. Die Hoffnung der Veranstalter: Wenn die Spirit of Fashion das Wochenende nutzt, können auch die Einkäufer der inhabergeführten Mini-Shops teilnehmen, ohne dafür Vertretungen suchen zu müssen. Aus diesem Grund kündigte die Firma nun an, sich künftig „nur noch ein bis zwei Tage“ mit den anderen Messen überschneiden zu wollen.

Ob dies hilft, die in den vergangenen Jahren stets schwächer werdende Auslastung der Spirit of Fashion zu bremsen, wird sich jedoch erst noch beweisen müssen. Fraglich ist bis dato auch, ob die Messe im Sommer überhaupt stattfinden wird. 2009 setzten die Macher nämlich bereits einmal aus, nachdem es im Januar einen Einbruch bei Ausstellern und Besucherzahlen gegeben hatte.

Dabei gibt es auf der Messe einiges zu sehen, was es sonst nirgends im Berliner Fashion Week –Trubel gibt: knallbunte 50er-Jahre Retro-Looks, düster-edle Gothic-Opulenz, Rockabilly-Mode und futuristisch anmutende Cyper-Punk-Styles. In Sachen Abwechslungsreichtum und Crazyness braucht sich die Spirit of Fashion daher trotz ihrer vergleichsweise geringen Anzahl von nur 38 Ausstellern nicht hinter den Großen der Branche zu verstecken. Allerdings ist die Nische, in der sich die Macher bewegen, wohl doch etwas kleiner als zunächst angenommen. Bleibt zu hoffen, dass die Messe wenigstens dieses Potential künftig besser nutzen kann und der hauptstädtischen Messelandschaft auch in den kommenden Saisons ihren eigenwilligen, anarchischen Glanz von unten verleiht.

Foto: Spirit of Fashion GbR