Schiesser schöpft wieder Hoffnung

Dienstag, 05 Mai 2009

SchiesserFür den insolventen Wäschehersteller Schiesser scheint es doch noch eine Zukunft zu geben. Wie der zuständige Insolvenzverwalter Volker Grub am Montag im bayerischen Radolfzell verkündete, kann das Unternehmen vorerst weitermachen, muss seine Geschäftstätigkeit allerdings gründlich umstrukturieren.

Ein Sanierungskonzept liegt für die Traditionsmarke bereits vor. Dabei stehen drei Maßnahmen besonders im Vordergrund: Zunächst muss sich Schiesser von seinen verlustreichen Lizenzgeschäften verabschieden. Die Fremdfertigung für Marken wie Puma soll fast komplett eingestellt werden, da hier in den vergangenen Jahren ein Großteil der drückenden Schuldenlast von rund 65 Millionen Euro eingefahren wurden. Allein die Produktion für Seidensticker und Strellson soll vorerst weitergeführt werden.

SchiesserZudem will das Unternehmen künftig vermehrt auf den Direktverkauf via Internet setzen. Der hauseigene Webshop soll daher kräftig ausgebaut und kundenfreundlicher gestaltet werden. Ebenfalls in Planung: eine Erweiterung des markeneigenen Outlet-Centers am Firmenstandort Radolfzell. Der Plan sieht vor, die Verkaufsfläche hier von 4.000 auf 10.000 Quadratmeter mehr als zu verdoppeln.

Noch nicht klar ist hingegen, ob die bisherigen Eigentümerfamilie Bechter aus der Schweiz ihre über Hesta gezeichneten Anteile halten oder doch verkaufen will. Eine Entscheidung darüber soll erst im Rahmen einer Gläubigerversammlung am 7. Juli diesen Jahres fallen. So oder so, das Unternehmen braucht frisches Geld von einem neuen Investor. Der soll allerdings erst dann mit Nachdruck gesucht werden, wenn das Sanierungskonzept des Insolvenzverwalters greift. Frühestens im März will Grub daher mit potentiellen Investoren sprechen, ist aber „zuversichtlich, die Eigentümerfrage bis Ende des Jahres 2009 geklärt zu haben“. Zu den Interessenten zählen neben einigen nicht näher benannten Finanzinvestoren auch der Berliner Modedesigner Wolfgang Joop.

Aufgeben will Grub die bereits seit 1875 bestehende Firma zum Glück nicht, eine Abwicklung scheint daher erst einmal vom Tisch zu sein. Vielmehr erwarten sich Management und Belegschaft von dem nun laufenden Insolvenzverfahren und Grubs Sanierungsplan eine grundlegende Gesundung des Unternehmens, das immerhin weltweit rund 2.300 Mitarbeiter beschäftigt, 510 davon in Radolfzell. Die aktuelle Geschäftsentwicklung mit einem Umsatzplus von 20 Prozent im Januar gibt jedenfalls Anlass zum Optimismus, dass Schiesser doch noch gerettet werden kann.

Foto: Schiesser