Otto gründet Modell-Fabrik in Bangladesch E-Mail
Donnerstag, 12 November 2009
Profite und ein gutes Gewissen müssen sich nicht ausschließen. Das ist das Leitmotiv der „Fabrik der Zukunft“, die der Hamburger Versandhauskonzern Otto Group zusammen mit dem Grameen Trust von Friedens nobelpreisträger Muhammad Yunus in dessen Heimat Bangladesch gegründet hat.

Das Werk in der Hauptstadt Dhaka ist ein Joint-Venture der Kooperationspartner, das den Namen „Grameen Otto Textile Company“ trägt. Dort wird künftig „unter sozial und ökologisch nachhaltigen Bedingungen Bekleidung für den Export“ produziert. Anfangs werden 500 bis 700 Mitarbeiter eingestellt, die einen „angemessenen Lohn und gute Sozialleistungen“ erhalten sollen. „Ziel des Projekts ist es, der armen Bevölkerung in Bangladesch die Möglichkeit zu geben, sich selbst aus der Armut zu befreien,“ erläuterte der Handelskonzern.

Zudem sei das Projekt „weltweit das erste Unternehmen im Bereich des Social Business Typ II, das profitorientiert arbeitet“, erklärte die Otto-Gruppe. Während Betriebe des Social Business Typ I lediglich ihre Kosten decken, zielt der Typ II darauf ab, bei allen sozialen und ökologischen Ansprüchen auch Überschüsse zu erwirtschaften. Diese Gewinne sollen allerdings nicht an Investoren und Anleger gehen. Vielmehr werden sie zur „Erweiterung und Modernisierung des Unternehmens sowie der Verfolgung sozialer Ziele vor Ort“ eingesetzt.

Die Liste der Verwendungsmöglichkeiten ist angesichts der Lage in Bangladesch lang: „In erster Linie soll mit den Überschüssen für die Angestellten ein gesundes Mittagessen gestellt werden, Aus- und Weiterbildung sowie Gesundheitsbetreuung erfolgen und ein Kindergarten mit Vorschulunterricht eingerichtet werden. Darüber hinaus werden in den umliegenden Gemeinden Unterstützungen im Gesundheitsbereich, für Sanitäreinrichtungen sowie für die Aus- und Weiterbildung der Bevölkerung getätigt,“ erläuterte die Otto-Gruppe.

Außerdem soll der zinslose Kredit, den die Otto Group für Bau und Betrieb des Werkes gewährt hat, innerhalb von 10 bis 15 Jahren zurückgezahlt werden. Denn um Almosen geht es nicht. Das betonte Kooperationspartner Muhammad Yunus. „Arme Menschen bitten nicht um Wohltätigkeit, denn Wohltätigkeit ist keine Lösung für Armut. Sie wollen arbeiten, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Die Grameen Otto Textile Company schafft Arbeit für die Armen. Sie wird ein Zeichen setzen gegen die Armut in der Welt,“ erklärte der Friedensnobelpreisträger des Jahres 2006.

Und es soll nicht bei einer einzigen „Fabrik der Zukunft“ bleiben: Vielmehr setzt die Otto-Gruppe auf den „Leuchtturm-Charakter“, den das Projekt „für sozial und ökologisch nachhaltiges Wirtschaften“ haben werde. An dieser Entwicklung will sich der Konzern aktiv beteiligen. So soll die Grameen Otto Textile Company „nachhaltig wachsen“. Für die zweite Phase ist eine Erweiterung des Werks in Dhaka geplant, danach ist langfristig vorgesehen, in Bangladesch und anderen Ländern mit weiteren Fabriken zu expandieren.


 
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