Neue Kleidung wird durchsichtig, wenn Träger lügt

Donnerstag, 02 Mai 2013

“Smart Textiles” gibt es schon seit einiger Zeit; ihre neue Generation scheint es aber darauf abgesehen zu haben, ihre Träger auszutricksen. Die holländische Firma Studio Roosegaarde hat unter dem Namen “Intimacy 2.0” eine Kollektion von Kleidern aus Leder und elektronischen Folien entwickelt, die je nach Erregbarkeit ihrer Trägerin zunehmend durchsichtig werden.

Man kann sich die Anwendung solcher Kleidungsstücke für gezielte Enthüllungen auf Gala-Veranstaltungen oder für eher ungewollte im Sinn eines Lügendetektors vorstellen. Wie aber funktioniert die Technologie, die hinter dieser schlauen Funktionskleidung steckt?

Die aus blickdichten E-Folien gemachten Kleider verwenden außerdem LEDs, Kupfer und Funktechnologie und messen den Herzschlags des Trägers. Je nach dessen Er- oder Aufregung werden die Kleidungsstücke so zunehmend durchsichtig.

"Technologie ist unsere zweite Haut, unsere zweite Sprache, in der Art wie wir unsere Erfahrungen und unsere Informationen übermitteln. Aber warum schauen wir immer nur den ganzen Tag auf unser blödes iPhone? Warum kann es nicht fühlbarer, intuitiver sein?” fragte designer Daan Roosegaarde im Interview mit Dezeen.

Wer denkt, dass es bei Kleidern und damit mutigen Trägerinnen bleibt, liegt weit daneben, denn die Designfirma hat auch Anwendungen für Männer im Auge: “Im Moment arbeiten wir an einem Anzug für Männer, besonders im Bankwesen, der transparenter werden wird, wenn sie lügen,” sagte Roosegaarde. Das würde man sich von den Gesprächsinhalten durchaus auch wünschen.

Kein Wunder also, dass Roosegaards Erfindung bereits einiges Aufsehen erregt hat. Roosegaarde war einer von drei Vortragenden, die auf der Design Indaba Konferenz in Kapstadt Anfang März stehende Ovationen bekamen. Außerdem wurde das Design unter anderem auf der dritten Art and Science International Exhibition im November letzten Jahres, auf der Fashion Week Poland und der SIGGRAPH in Hong Kong vorgestellt.

Jetzt scheint es nur eine Frage der Zeit, bis Style- oder Popikonen die “Intimacy”-Kollektion für sich entdecken und ins Rampenlicht stellen.

Foto: Studio Roosegaarde