Middelhoff plant wohl ohne Kaufhof E-Mail
Montag, 28 April 2008
Thomas Middelhoff, Vorstandsvorsitzender des Essener Handels- und Touristikkonzerns Arcandor, scheint von dem ursprünglichen Plan, die hauseigene Karstadt-Kette mit dem Konkurrenten Kaufhof zu fusionieren, wieder abzurücken. Kurz nachdem bekannt wurde, dass der Manager nicht wie angekündigt noch in diesem Jahr seinen Stuhl räumen, sondern für mindestens ein weiteres Jahr bei Arcandor bleiben wird, konkretisierte der 54-Jährige nun gegenüber dem Wirtschaftsmagazin „Handelsblatt“ seine weiteren Pläne zur Umstrukturierung des Unternehmens.

Dem Blatt gegenüber verriet Middelhoff, dass die Synergien zwischen Karstadt und dem zur Metro Gruppe gehörenden Warenhauskonzern Kaufhof zwar „verführerisch“ seien, eine etwaige Fusion jedoch die Abhängigkeit des dann neuen Superkonzerns vom deutschen Markt weiter vergrößern würde. Allein auf Deutschland zu setzen, ist in Unternehmenskreisen jedoch schon lange nicht mehr in, und so hat auch der Arcandor-Chef eher die ausländischen Absatzmärkte im Visier. „Bei Thomas Cook und Primondo sehen wir inzwischen, dass uns ein hoher Auslandsanteil sehr stark hilft“ so Middelhoff gegenüber dem „Handelsblatt“. Und weiter: „Die Konzentration auf den deutschen Markt war einer der Hauptfehler des alten Karstadt-Quelle-Konzerns. Deshalb stellen wir uns inzwischen die Frage, ob wir nicht alternativ zur Konsolidierung auf dem deutschen Markt stärker ins ausländische Warenhausgeschäft gehen sollten.“

Zwar hatte das Kauhof-Management bereits vor einiger Zeit angekündigt, einige wenige Premium-Häuser in Moskau und Sankt Petersburg eröffnen zu wollen, doch auch das ist dem Konzernlenker und großen Sanierer nicht genug. Er will im Ausland nicht nur mit einigen wenigen Image-Filialen punkten, sondern hat das alltägliche „Brot-und-Butter-Geschäft“ der normalen Karstadt-Warenhäuser im Visier. Mit dem aktuell auch in Deutschland im Imagewandel begriffenen Karstadt-Konzept will und kann Middelhoff jedoch im Ausland kaum für Furore sorgen. Zu bieder, zu normal sind die Filialen des Unternehmens, auch für die deutschen Standorte. Folgerichtig bestätigte er dem „Handelsblatt“: „Damit würden wir nie mit Neugründungen ins Ausland gehen“.

Wahrscheinlicher ist da statt der Übernahme des heimischen Konkurrenten Kaufhof wohl die Akquise eines ausländischen Unternehmens, das in den entsprechenden Märkten bereits über ein voll ausgebautes Filialnetz und einen großen Kundenstamm verfügt. Zwar wollte sich Middelhoff zu diesem Punkt nicht äußern, sein Schweigen dürften die Spekulationen in diesem Punkt jedoch weiter anheizen.

Wie es unterdessen mit dem Sorgenkind Karstadt weiterhegen soll, bleibt abzuwarten. Die Warenhauskette verlor zuletzt immer mehr Kunden, büßte an Umsatz ein und gilt trotz diverser imagebildender Maßnahmen wie dem „New Generations Award“, den das Unternehmen zweimal jährlich während der Berliner Fashion Week an ambitionierte Jungdesigner verleiht, als ein Modell der 60er Jahre. Ursprünglich sollte Karstadt gemeinsam mit der Versandsparte Primondo für einen Börsengang fit gemacht werden, ein Vorhaben, das nun erst einmal auf die lange Bank geschoben wird. Man wolle zwar weiterhin erreichen, dass die beiden Sparten ihre Kapitalkosten verdienen; ob dann jedoch sofort ein Börsengang gestartet werde, sei jedoch eine ganz andere Frage, so Middelhoff gegenüber dem „Handelsblatt“. Vielmehr werde man sich darauf konzentrieren, den bereits eingeschlagenen Kurs der Umstrukturierung konsequent fortzusetzen, um so im laufenden Geschäftsjahr endlich wieder schwarze Zahlen zu schreiben. Der Arcandor-Chef erwartet sogar „einen deutlichen Ergebnissprung“.

Foto: Karstadt


 
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