Krisen-Frust bei American Apparel

Dienstag, 14 April 2009

Das US-Textilunternehmen American Apparel, in den vergangenen Jahren stets mit überdurchschnittlich guten Wachstumszahlen gesegnet, bekommt derzeit die Auswirkungen der globalen Wirtschaftskrise besonders stark zu spüren. Die Firma, die sich vor allem durch qualitativ recht hochwertige Basic-Linien auszeichnet und mittels vorbildlicher Sozialstandards in seiner Fertigung weltweit Sympathien erlangte, steckt tief in einer Absatzkrise.

American Apparel betreibt derzeit rund 260 Läden weltweit und gilt vor allem bei der jungen, urbanen Mittelschicht als besonders angesagt. Die Tatsache, dass der Textilfabrikant ausschließlich in den USA fertigen lässt, seine Arbeiter stets fair behandelt und gut bezahlt, erleichterte vielen Kunden weltweit den Einkauf. Das gute Gewissen schwang so immer mit, wenn es darum ging, Preise zu bezahlen, die weit über dem branchenüblichen Durchschnitt liegen.

Nun scheint jedoch erst einmal Schluss zu sein, mit der globalen Bereitschaft der Verbraucher, 30 bis 40 Euro für ein Basic T-Shirt zu bezahlen, schließlich bekommt man beim Discounter um die Ecke Ähnliches für einen Bruchteil der bei American Apparel aufgerufenen Preise. Kein Wunder also, dass das Unternehmen im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres weltweit Umsatzeinbrüche hinnehmen musste.

Wie die Firmenleitung im kalifornischen Los Angeles mitteilte, verlor American Apparel in den ersten drei Monaten 2009 auf vergleichbarer Fläche sieben Prozent Umsatz, nachdem das Unternehmen im Vergleichszeitraum des vergangenen Jahres noch um satte 37 Prozent zugelegt hatte. Versöhnlich hingegen die Entwicklung bei den Großhandelsumsätzen. Hier legte die Marke im gleichen Zeitraum um 21 Prozent auf 77,9 Millionen Dollar zu.

Leider macht der Großhandelsumsatz nur einen kleinen Teil der Gesamteinkünfte aus, so dass dem Unternehmen der empfindliche Rückgang bei den hauseigenen Läden ziemlich zu schaffen macht. Besonders fatal: derzeit ist keine Trendwende in Sicht, im Gegenteil. Im Monat März verlor American Apparel weltweit weiter an Boden. So setzte die US-Kette auf vergleichbarer Store-Fläche gegenüber dem März 2008 elf Prozent weniger um. Damals legte das Unternehmen noch um 29 Prozent zu. Immerhin: Auch im März stiegen die Großhandelsumsätze um zwölf Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat.

Punkten kann American Apparel derzeit also nur mit neuen Franchise-Lizenzen, das eigene Ladengeschäft schwächelt zusehends. Dies macht sich auch in der Expansionspolitik des Unternehmens bemerkbar, die in der Vergangenheit sehr viel aggressiver gefahren wurde, als zuletzt. So eröffneten die Amerikaner in den vergangenen drei Monaten lediglich sechs neue Stores, einer wurde geschlossen.

Bleibt abzuwarten, ob sich der teils doch recht signifikante Umsatzrückgang zu einer echten Absatzkrise auswächst. Wie wird das Unternehmen reagieren? Müssen einige der aktuell 10.000 Angestellten entlassen und die hohen Sozialstandards dem Branchendurchschnitt angepasst werden? Derzeit sieht es nicht danach aus, die Kalifornier wollen erst einmal weitermachen wie bisher. Sie setzen bereits auf die Zeit nach der großen Krise und sind davon überzeugt, dass sich Gutes auf Dauer doch durchsetzt.

Foto: American Apparel