Kauflaune sinkt trotz Konjunkturerholung E-Mail
Mittwoch, 23 Dezember 2009
Es ist schon ein wenig paradox: Noch vor wenigen Monaten, als allenthalben Hiobsbotschaften über das mögliche katastrophale Ausmaß der Wirtschafts- und Finanzkrise kursierten, ließen sich die deutschen Verbraucher die Kauflaune nicht verderben. Nun aber, da das Licht am Ende des Krisen-Tunnels zunehmend heller wird, trübt sich das Konsumklima Monat für Monat ein. Schuld ist die wieder ansteigende Inflationsrate.

Das geht aus der jüngsten Studie des Marktforschungsinstituts GfK hervor. Der Untersuchung zufolge wird die Kauflaune der Deutschen im Januar den inzwischen schon dritten Monat in Folge nachlassen. Nach einem Wert von 3,6 Punkten im Dezember prognostizieren die Nürnberger Forscher für den Januar nur noch 3,3 Punkte.

Und es ist angesichts recht guter Aussichten auch nicht die allgemeine Wirtschaftsentwicklung, die den Deutschen Sorgen bereitet: Der Index für die Konjunkturerwartung kletterte nach 0,9 Punkten im November auf 1,7 Punkte im Dezember. Vor einem Jahr hatten die Bürger noch schwarz gesehen, was die Konjunktur anging. Seinerzeit hatte der Wert bei -32,4 Punkten gelegen.

„Die deutschen Verbraucher gehen davon aus, dass sich der moderate Erholungsprozess der deutschen Wirtschaft auch im kommenden Jahr fortsetzen kann,“ bekräftigte die GfK. Sie gingen damit „konform mit den Forschungsinstituten sowie dem Sachverständigenrat, die ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2010 von 1,5 bis 1,7 Prozent vorhersagen“, erklärten die Konjunkturforscher. Die „spürbare Erholung des Welthandels“ mache zurzeit Hoffnung darauf, dass die deutschen Exporte wieder anziehen dürften und die Arbeitslosigkeit nicht im befürchteten Maße steigen werde.

Diese Entwicklung hat auch Auswirkungen auf die individuelle Einkommenserwartung. Die wird nämlich maßgeblich davon bestimmt, ob die Verbraucher Angst um ihren Arbeitsplatz haben. Angesichts der positiveren Wirtschaftsprognosen fürchten nun offenbar weniger Deutsche um ihre Stelle. Zudem rechnen sie aufgrund der jüngst beschlossenen Maßnahmen der Bundesregierung, etwa der Erhöhung des Kindergeldes, mit einem höheren verfügbaren Einkommen. Durch den Preiskampf im Einzelhandel werden viele Waren trotz der steigenden Energiepreise im Moment außerdem nicht teurer. Alles in allem stieg der Indikator für die Einkommenserwartung von 6,2 Punkten im November deutlich auf 15,0 Punkte im Dezember.

Was das Konsumklima aber insgesamt drückte, war die nachlassende Anschaffungsneigung. Die sank von 26,3 Punkten im November auf 21,2 Punkte im laufenden Monat. Hier spielte nach den Erkenntnissen der GfK nun tatsächlich die Teuerungsrate eine wesentliche Rolle. Die hatte zuletzt erstmals wieder angezogen. „Damit setzt sich der seit langem zu beobachtende Zusammenhang zwischen Preisstabilität und Kauflust durch und überlagert offenbar die positiven Impulse durch die steigende Einkommenserwartung,“ erläuterten die Forscher.

Alles in allem befürchtet das Institut angesichts des derzeit fallenden Konsumklimas, dass es im kommenden Jahr nicht gerade rosige Zeiten für den Einzelhandel geben werde: „Sollte sich diese Entwicklung in den kommenden Monaten fortsetzen, wird es für den privaten Konsum im Jahr 2010 – wie von der GfK bereits mehrfach angedeutet – schwieriger werden als in diesem Jahr,“ hieß es aus Nürnberg. Mit einer dramatischen Entwicklung sei aber nicht zu rechnen: „Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass sich das Konsumklima angesichts der schweren Krise in diesem Jahr überaus robust und widerstandsfähig gezeigt hat. Für 2010 gehen wir derzeit von keinem Konsumeinbruch aus, wenngleich auch das Jahr ein schwieriges sein wird,“ bilanzierte die GfK.

Foto: Galeria Kaufhof


 
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