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Karstadt kündigt Radikalkur an
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Dienstag, 17 Juli 2012
Nach der Übernahme der insolventen Warenhauskette Karstadt durch den deutsch-amerikanischen Privatinvestor Nicolas Berggruen will das Unternehmen sich nun mit einer ganzen Reihe an Maßnahmen fit für die Zukunft machen. Im Rahmen des bereits verabschiedeten Strategieplans „Karstadt 2015“ stehen nun jedoch auch einige schmerzliche Eingriffe in die bestehenden Strukturen des Unternehmens an, die auch Entlassungen mit sich bringen werden.

Unter den herausfordernden Marktbedingungen der Euro-Krise werde man seine Strukturen und Prozesse weiter vereinfachen und damit das Unternehmen langfristig auf die passende Größe bringen, die Effizienz weiter steigern und Karstadt auf Kurs für nachhaltiges und anhaltendes Wachstum halten, so der Konzernvorstand am Montag, der zugleich ankündigte: „Im Zuge dieser notwendigen Maßnahmen, mit denen sich das Unternehmen nachhaltig auf ein belastbares Fundament stellt, wird Karstadt bis Ende 2014 2.000 Stellen abbauen“. Zugleich will der Kaufhausbeteiber seinen Verwaltungsaufwand weiter verringern und die Organisationsstrukturen im gesamten Unternehmen neu ausrichten.

Nach der Pleite des Drogeriediscounters Schlecker droht nun also eine weitere Entlassungswelle im deutschen Einzelhandel. Zwar soll der Stellenabbau „unter Einbeziehung der Sozialpartner so sozialverträglich wie möglich“ umgesetzt werden und primär über Frühpensionierungen, Nichtverlängerung von befristeten Verträgen sowie freiwilligen Austritt erfolgen, trotzdem fallen unterm Strich weitere Stellen in der Branche weg, die zuvor vielen Menschen ihre Existenz sicherte.

Notwendig scheinen die Maßnahmen jedoch allemal zu sein, in diesem Fall sogar überlebensnotwendig. „So schmerzhaft diese Maßnahmen für die betroffenen Mitarbeiter sind, so notwendig sind sie“, sagt dann auch Karstadt-Chef Andrew Jennings. Karstadt müsse einfach seine Organisation anpassen, um weiterhin wettbewerbsfähig zu bleiben und die erforderlichen Schritte unternehmen, um unseren Erfolg langfristig zu sichern.

Freuen können sich hingegen die verbleibenden Mitarbeiter, die ab dem 1. September dieses Jahres wieder nach dem Flächentarifvertrag des Einzelhandels entlohnt werden sollen. Das bedeutet, dass die Beschäftigten im Jahr 2012 zum ersten Mal seit sechs Jahren wieder ihre volle Tarifliche Sonderzuwendung (Weihnachtsgeld) bekommen sollen und das komplette Urlaubsgeld ab 2013 sowie anteilig bereits ab 2012. Das bedeute eine signifikante und permanente Entgeltsteigerung um acht Prozent für jeden einzelnen Mitarbeiter, so Jennings. Die zeitlich befristete Aussetzung von Teilen des Flächentarifvertrags wurde 2009 vereinbart, um so den Turnaround des Unternehmens zu ermöglichen.

Seit die Berggruen Holdings Karstadt 2010 aus der Insolvenz gerettet hat, sind Nach Angaben Jennings’ bereits mehr als 160 Millionen Euro in die Häuser, Technologie und Infrastruktur investiert worden. Bestätigt durch die positive Resonanz von Kunden und Lieferanten sowie die vielversprechende Geschäftsentwicklung der 24 bis jetzt neu eröffneten Warenhäuser will Karstadt sein Investitionsprogramm weiter vorantreiben und mit der Modernisierung des Filialnetzes fortfahren. Zunächst sollen drei der führenden Warenhäuser, das Berliner KaDeWe sowie die Standorte Nürnberg und Düsseldorf, im September 2012 neu eröffnet werden.

Zusätzlich soll auch die Expansion in das wachstumsstarke Young Fashion-Segment weiter vorangetrieben und mit den positiven Erfahrungen des Pilotprojektes K-Town Göttingen seit 2011 ebenfalls im September einen zweiten „K Town“ Concept Store in Köln eröffnet werden.

„Nach Neueröffnungen von Sporthäusern in Wiesbaden 2011 und Berlin-Steglitz im März 2012 wird die Expansion von Karstadt Sports gegen Jahresende in Kiel fortgesetzt“, heißt es in einer Unternehmensmitteilung. Bis September 2012 soll zudem die bereits begonnene Renovierung von fünf weiteren Warenhäusern abgeschlossen sein. Darüber hinaus sei eine umfassende Vereinbarung mit den Lieferanten über die Aufnahme von über 50 neuen, internationalen und deutschen Marken in das Karstadt-Portfolio getroffen worden, darunter mit vielen Labels, die Karstadt exklusiv führen kann.

Das umfassende Investitionsprogramm ist eine der tragenden Säulen der “Karstadt 2015”-Unternehmensstrategie. Das Programm sei gezielt entwickelt worden, um Karstadt den erfolgreichen Wandel hin zu einem der führenden Einzelhandelsunternehmen Europas zu ermöglichen, so Jennings. Es basiert auf den vier Säulen Modernisierung, Differenzierung, Schärfung des Profils sowie der Vereinfachung des Geschäftsmodells. Jennings weiter: „Wir glauben an die Zukunft von Karstadt und sind fest entschlossen, das Unternehmen durch ein schwieriges wirtschaftliches Umfeld zu führen. Wir arbeiten mit der richtigen Strategie, um Karstadt langfristig auf Kurs zu bringen.“ Schließlich seien sowohl das Management als auch der Eigentümer dem Unternehmen „langfristig fest verbunden“.


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