Eiszeit: Geschäftsklima so kalt wie lange nicht E-Mail
Montag, 24 November 2008
Die wirtschaftliche Lage in Deutschland wird zusehends schlechter. Die Auswirkungen der globalen Kredit- und Finanzkrise, die daraus resultierende Rezession und die Kaufzurückhaltung der Verbraucher macht den deutschen Unternehmen immer mehr zu schaffen. Ein Umstand, der sich nun auch auf die Konjunkturprognosen der Forschungsinstitute niederschlägt.

So ist der vom Münchener Ifo-Institut ermittelte Geschäftsklimaindex im November deutlich gesunken, die Aussichten für die gewerbliche Wirtschaft des Landes haben sich markant verschlechtert. So seien die Unternehmen erheblich unzufriedener mit ihrer momentanen Geschäftslage und rechneten zudem mit einer nochmals deutlich ungünstigeren Geschäftsentwicklung im kommenden halben Jahr, so die Wirtschaftsforscher. Eine Nachricht, die man mittlerweile gut kennt, denn seit nunmehr sechs Monaten reduzieren die Unternehmen ununterbrochen ihre Erwartungen an den weiteren Geschäftsverlauf.

Insgesamt habe sich der konjunkturelle Abschwung verschärft und werde nun auch den Arbeitsmarkt erfassen. Verschlechtert habe sich das Geschäftsklima nicht nur im verarbeitenden Gewerbe, sondern auch im Groß- und Einzelhandel. „In beiden Handelsstufen sind die Befragungsteilnehmer mit ihrer augenblicklichen Geschäftslage unzufriedener als im Vormonat“ heißt es in der Studie, und auch hinsichtlich der weiteren Entwicklung im kommenden halben Jahr seien sie zurückhaltender. So rechnen laut Ifo insbesondere die Einzelhändler mit einer deutlich negativeren Geschäftsentwicklung in den nächsten sechs Monaten.

Ähnlich sieht es auch beim Dienstleistungsgewerbe aus. Auch hier meldet das Institut für den November eine deutlich verschlechterte Stimmungslage, die befragten Unternehmen seien mit ihrer derzeitigen Geschäftssituation erneut weniger zufrieden, als noch im Vormonat. Ihr Ausblick auf die Geschäftsentwicklung in den nächsten sechs Monaten falle zudem ebenfalls skeptischer aus als im Oktober. Markant gesunken sei der Geschäftsklimaindikator in den unternehmensnahen Dienstleistungsbereichen Güterverkehr sowie Personal, Stellenvermittlung, Überlassung von Arbeitskräften, zu dem auch die Zeitarbeitsfirmen gehören. Zusätzliches Personal wollen die Dienstleistungsunternehmen insgesamt nach Informationen des Ifo- Instituts auch nicht mehr einstellen. Vom Dienstleistungsgewerbe würden daher kaum noch positive Impulse auf den Arbeitsmarkt ausgehen, so die Münchener Forscher.

Bleibt zu hoffen, dass die große Depression im Laufe des kommenden Jahres möglichst bald einem vorsichtigen Optimismus Platz macht, der den Verbrauchern wieder etwas mehr Vertrauen in die Zukunft beschert. Profitieren würden Handel und Dienstleister auch von einem Steuersenkungspaket der Bundesregierung, dem die Kanzlerin am Montag in Paris jedoch eine Absage erteilt hat – vorerst zumindest. Andere Länder wie die USA oder Großbritannien wollen nämlich steuerlich nachbessern und vor allem Verbrauchssteuern wie die Mehrwertsteuer signifikant um bis zu vier Prozent senken. Ob Deutschland es sich leisten kann, hier dauerhaft auf 19 Prozent zu verharren, ist fraglich. Einen Impuls bei der Binnennachfrage erzielt man mit dieser Steuerpolitik wohl kaum – vor allem nicht in Krisenzeiten.

Foto: Galeria Kaufhof


 
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