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Einzelhandel: Glück im Osten?
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Dienstag, 07 September 2010
Die Goldgräberstimmung auf den neuen Märkten Osteuropas uns Asiens geht auch in den kommenden Jahren weiter. Wie eine Studie des Immobilienunternehmens Jones Lang LaSalle bestätigt, sieht vor allem der westliche Einzelhandel großes Wachstumspotential in den Innenstadtregionen östlich der Oder. Eine Entwicklung, die sich nach Einschätzung der Experten noch mindestens weitere zehn Jahre fortsetzen wird.

Ausschlaggebender Faktor für die Expansion in östliche Märkte sei die Sättigung auf dem Markt für Einzelhandelsflächen in Westeuropa. Insbesondere Indien und China rückten dabei in den Fokus, da die dortigen Einzelhandelsmärkte sich noch nicht konsolidiert hätten und stark wachsende Verbraucherpopulationen in Aussicht stellten. So habe sich in China eine weiter wachsende Mittelschicht herausgebildet, die mit rund 300 Millionen Menschen der Anzahl nach der Gesamtbevölkerung in den Vereinigten Staaten entspreche, so Jones Lang LaSalle. Das zuletzt um jährlich acht Prozent gewachsene Bruttoinlandsprodukt sei zudem durch die Wirtschaftskrise kaum beeinträchtigt. „Eine Fortsetzung dieses Trends in den nächsten zehn Jahren ist äußerst wahrscheinlich und die schrittweise erfolgende Steigerung des Wohlstands der Arbeitnehmer wird die Einzelhandelsnachfrage nachhaltig steigern.“ Kein Handelsunternehmen oder Immobilieninvestor könne es sich daher leisten, diese Entwicklung zu ignorieren oder gar zu verpassen.

In der Tat schätzt die derzeit entstehende chinesische Mittelklasse westliche Markenprodukte, insbesondere aus dem Luxussegment. Angesichts der weltweit größten Bevölkerungszahl und einer Einzelhandelswachstumsrate von über 15 Prozent in 2009 sind die Verteilung der Marktanteile und die Bemühungen westlicher Anbieter, in China Fuß zu fassen, daher in vollem Gange.

Eine ähnliche Entwicklung findet aktuell auch in Indien statt. Der dortige Markt präsentiert sich hochexpansiv, die Mittelschicht wächst und mit ihm das Verlangen nach westlichen Markenprodukten. Allerdings ist das Land nur teilweise dereguliert, was viele westliche Einzelhändler zu Franchise-Partnerschaften mit lokalen Anbietern zwingt. Derzeit können ausländische Unternehmen Anteile bis zu 51 Prozent an Gemeinschaftsunternehmen halten. Die Chancen stünden jedoch gut, dass diese Beschränkung in absehbarer Zeit fallen und auf bis zu 76 Prozent angehoben werden wird, so die LaSalle-Expertise.

Im Moment sehen Viele internationale Handelskonzerne jedoch nach wie vor besonders in der Region Mittel- und Osteuropa exzellente Markt- und Entwicklungschancen, bedingt vor allem durch Prognosen, wonach hier jährliche Wachstumsraten von bis zu vier Prozent erfolgen könnten.

Trotzdem sieht der Immobilienexperte Robert Bonwell keinen Grund zur zügellosen Euphorie. Schließlich gehe eine erfolgreiche Expansion im Osten nach wie vor mit erheblichen Herausforderungen einher. „Erfolgreiche Marktteilnehmer werden zunächst die wachstumsstärksten Einzelhandelsmärkte identifizieren und analysieren. Erst dann wird festgelegt, in welchem Umfang investiert werden soll,“ so Bonwell. In diesem Zusammenhang sei es von entscheidender Bedeutung, relevante Markteintrittsrisiken wie beispielsweise instabile politische Systeme richtig einzuschätzen. Zudem seien ausgeklügelte Expansionsmodelle erforderlich, in denen E-Commerce-Wachstumstrends ausdrücklich Berücksichtigung finden.

Foto: New Yorker


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