Ahlers: Premiummarken retten Bilanz

Dienstag, 14 April 2009

Das Herforder Modeunternehmen Ahlers konnte die ersten Monate des laufenden Geschäftsjahres mit einem blauen Auge bestehen. Zwar gingen die Auswirkungen der globalen Wirtschaftskrise auch an Ahlers nicht spurlos vorbei und einige Geschäftsbereiche mussten empfindliche Umsatzrückgänge hinnehmen, insgesamt konnte sich der Konzern jedoch recht gut in dem schwierigen Marktumfeld behaupten.

Knapp 70 Millionen Euro setzte Ahlers im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2008/09 um, das entspricht einem Rückgang von 2,4 Prozent gegenüber dem Vergleichzeitraum des Vorjahres. Während das Unternehmen vor allem im Ausland teils empfindliche Absatzrückgänge hinnehmen musste, konnte es in Deutschland sogar leicht um 0,4 Prozent zulegen. Zum Vergleich: In Westeuropa verlor Ahlers gegenüber dem Vorjahr knapp vier, auf den osteuropäischen Märkten sogar über sieben Prozent.

Schuld an der - wenn auch kleinen – Misere ist Unternehmensangaben zufolge das Men’s- und Sportswear-Segment, in dem die Marke Jupiter besonders stark schwächelte. Hier verzeichnete Ahlers einen Umsatzrückgang von zwölf Prozent, gefolgt von der Jeans- und Workwear-Sparte, wo das Unternehmen knapp sechs Prozent verlor.

Ganz anders sieht hingegen die Entwicklung bei den hauseigenen Premiummarken aus. Baldessarini, Otto Kern und Pierre Cardin legten zusammen ein Umsatzplus von 5,1 Prozent hin, und das in einem Marktumfeld, das insgesamt stark rückläufig ist. Vor allem die beiden Marken Baldessarini und Otto Kern zeigten sich bislang als äußerst krisenresistent und wuchsen mit zweistelligen Prozentraten. Wie das Firmenmanagement mitteilte, hat das Premiumsegment damit erstmals die magische Grenze von 50 Prozent Anteil am Gesamtumsatz überschritten, nach 47 Prozent im Vergleichszeitraum des vergangenen Geschäftsjahres.

Was der eine Geschäftsbereich verloren hat, konnte durch andere Segmente daher wieder ausgeglichen werden und so ist es kein Wunder, dass sich die Verantwortlichen bei Ahlers recht versöhnlich mit der aktuellen Unternehmensentwicklung zeigen. Schließlich kamen sie auch beim Konzernergebnis mit moderaten Rückgängen davon. Nach Steuern reduzierte sich der Gewinn lediglich von 2,7 Millionen Euro im Vorjahr auf aktuell 2,1 Millionen, und das auch nur aufgrund von Sondereffekten und Währungsverlusten.

Weit weniger erfreulich hat sich die Personalstruktur der Herforder entwickelt. Binnen eines Jahres baute der Konzern eigenen Angaben zufolge 231 seiner 2.743 Arbeitsplätze ab und will weiter reduzieren. Erst Ende März schloss Ahlers zwei seiner Produktionsstätten in Polen und entließ 650 Mitarbeiter. Und auch für Deutschland kündigte das Management weitere Einsparmaßnahmen beim Personal an. Bisher wurden bundesweit nur etwa 14 Stellen eingespart, ein Abbau in größerem Umfang soll jedoch bereits im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres folgen.

Insgesamt befindet sich Ahlers trotz versöhnlicher Gesamtentwicklung in einer schwierigen Lage. Keiner weiß, wie sich die Weltwirtschaftskrise künftig auf die Geschäftsentwicklung auswirken wird und ob die Premiummarken auch in den kommenden Monaten halten, was sie in den vergangenen versprochen haben. So traut sich der Konzernvorstand derzeit nicht, eine konkrete Prognose für das Geschäftsjahr abzugeben. Die Vorstandsvorsitzende Stella Ahlers hat ihren Optimismus jedoch noch nicht verloren und versprach: „Wir wollen im Jahr 2008/09 ein deutlich positives Ergebnis erzielen. Die gute Marktposition unserer Premiummarken und das ab dem zweiten Halbjahr voll wirksame Cost-Saving-Programm sind gute Voraussetzungen dafür, dieses Ziel zu erreichen.“

Foto: Ahlers AG / Pierre Cardin