Gerry Weber: Wachstum und Enttäuschung E-Mail
Freitag, 15 Dezember 2006

Der in Halle/Westfalen ansässige Bekleidungshersteller Gerry Weber International AG konnte im abgelaufenen Geschäftsjahr deutlich Zuwächse bei Umsatz und Gewinn verbuchen. Die vorläufigen Zahlen veröffentlichte das Unternehmen am Donnerstag.

Demnach erreichten die Umsatzerlöse im Geschäftsjahr 2005/2006 eine Höhe von 440,5 Millionen Euro. Sie lagen um 12,1 Prozent über dem entsprechenden Vorjahreswert von 393,1 Millionen Euro. Damit erreichte Gerry Weber nach eigenen Angaben seine selbst gesteckten Ziele. "Der enorme Umsatzanstieg in einem eher stagnierenden Marktumfeld resultierte aus den guten Abverkaufszahlen auf den bestehenden Flächen und der Expansion im Ausland", erläuterte das Unternehmen.

Etwas anders verhielt es sich beim Ergebnis: Zwar konnte das Gerry Weber auch hier deutlich zulegen und das EBIT von 35,8 Millionen Euro im Vorjahr auf nunmehr rund 40 Millionen Euro steigern, verfehlte damit jedoch seine Prognose. Als Gründe führte Gerry Weber "höhere einmalige Vorlaufkosten im Retail-Bereich sowie höhere Kosten im Bereich Transport und Logistik im vierten Quartal" an. Die eingeschlagene Unternehmensstrategie, "sich vom reinen Bekleidungshersteller zum internationalen Fashion- und Lifestyle-Konzern und zum Systemanbieter zu entwickeln", wird Gerry Weber auch künftig weiter verfolgen. Bereits im abgelaufenen Geschäftsjahr zeigte sie deutliche Resultate, die sich vor allem an der Expansion der in Eigenregie oder per Franchise geführten Einzelhandelsgeschäfte ablesen lässt.

So stiegen die Umsätze im Retail-Bereich, in dem die Erlöse der eigenen Stores in Deutschland, England, Österreich und Spanien zusammengefasst sind, nach Angaben des Unternehmens im abgelaufenen Geschäftsjahr um 60 Prozent auf mehr als 50 Millionen Euro. Damit liegt der Anteil der Retail-Umsätze am Gesamtumsatz bereits bei 11 Prozent. In den kommenden Jahren soll diese Quote durch weitere Flächenexpansion, namentlich in Russland und Fernost, auf 25 bis 30 Prozent gesteigert werden.

Allein die Vertriebslinie "House of Gerry Weber" wuchs in den vergangenen zwölf Monaten von 102 auf 129 Filialen. Darunter befanden sich auch repräsentative Flagship-Stores in den internationalen Modemetropolen Wien und London.

Neben der forcierten Flächenexpansion trugen nach Angaben des Unternehmens auch interne Umstrukturierungen zur Ergebnissteigerung bei: Durch "Verschlankung interner Prozesse" sowie Produktionsverlagerungen innerhalb Asiens und in osteuropäische Niedriglohnländer habe man die Kosten weiter senken können, hieß es. Auch die zu Jahresbeginn bevorstehende Erhöhung der Mehrwertsteuer sei so aufgefangen worden, erklärte Gerhard Weber, der Gründer und Vorstandsvorsitzende des Unternehmens: "Wir kompensieren die höhere Mehrwertsteuer vollständig, um den Rohertrag für den Handel nachhaltig zu sichern. Das geht nicht zu Lasten unserer eigenen Rendite, die wir durch die Optimierung unserer Strukturen weiter erhöhen werden".

Für das laufende Geschäftsjahr 2006/2007 prognostizierte Gerry Weber angesichts erfreulicher Auftragszahlen einen Umsatz "nahe 500 Millionen Euro" und "eine weitere Ergebnisverbesserung hin zu einer zweistelligen EBIT-Marge". Außerdem kündigte das Unternehmen die unverminderte Fortsetzung seines internationalen Wachstumskurses an: "Die Eröffnung von zahlreichen weiteren "Houses of Gerry Weber", sowohl in eigener Regie als auch gemeinsam mit Franchise-Partnern, neuen Monolabel Stores im In- und Ausland und jährlich rund 100 zusätzlichen Shop-in-Shop-Flächen im Handel werden die gute Entwicklung fördern. Dadurch und durch die Expansion beispielsweise in Osteuropa, Skandinavien, Kanada und Fernost wird das Wachstumstempo in den nächsten Jahren hoch gehalten," hieß es.


 
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